Cinque Terre – ein Trail zum Verzweifeln oder Verlieben?

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Reiseberichts 12 Tage Ligurien & Toskana

Cinque Terre – der Küstenweg. Oder doch nicht?

Am vierten Tag unserer Italienreise stellen wir uns hochmotiviert um 7 Uhr den Wecker. Wir wollen früh mit dem Zug von Levanto nach Riomaggiore, das aus unserer Sicht letzte der Cinque Terre Dörfer fahren. Katha macht sich zwar ein wenig Sorgen, da wir für Baci keinen Maulkorb dabei haben und er das Tragen auch nicht gewöhnt ist, aber mehr Infos dazu findet in den Hinweisen am Ende des Artikels.

Das Ticketziehen am Bahnhof in Levanto gestaltet sich simpel – ruckzuck sitzen wir im Zug nach Riomaggiore. Knapp 30 min später und gegen 10 Uhr sind wir abwanderbereit. Unmittelbar neben dem Bahnhof besorgt Christoph die Eintrittskarten für den Nationalpark Cinque Terre und los geht’s. Allerdings zeigt die Karte am Ticketschalter, dass die beiden relativ entspannten Küstenwege nach Manarola und von dort nach Corniglia wegen Aufräumarbeiten aktuell geschlossen sind. Und wie auch schon in der Schweiz heißt geschlossen hier ebenfalls geschlossen. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als für diese beiden Abschnitte den Umweg über den Höhenweg zu nehmen. Wird sicher halb so wild sein, denken wir und so stapft Katha Christoph hinterher. Kathas Orientierungssinn gleicht nämlich eher dem einer angeschossen Brieftaube – wenn es nach ihr ginge wären wir nach Südosten statt Nordwesten gewandert.

Riomaggiore nach Manarola – Ein Traum in Stufen

Es beginnt ein Anstieg, der es in sich hat. Durch Weinreben klettern wir nicht enden wollende Steinstufen hinauf, die so hoch sind, dass Baci immer wieder springen muss und unsere Oberschenkel und Lungen schnell brennen. Eventuell war das ein oder andere Gläschen Wein am Vorabend auch nicht die klügste Vorbereitung auf den Trail. Aber der Ausblick entschädigt uns – Riomaggiore sieht wie fast alle Cinque Terre Dörfer von oben noch viel schöner aus. Die bunten Häuser auf den Felsen vor dem türkisfarbenen Meer: Wahnsinn.

Und wieder über die Berge

Und so kraxeln wir unbeirrt und motiviert weiter. In dem Dörfern selbst nehmen wir uns immer noch ein wenig Zeit, diese zu erkunden. Wir schlendern durch zuckersüße kleine Gässchen, bewundern die Häuser und tanken etwas Kraft für die nächste Etappe. Es soll nämlich zunächst nicht weniger anstrengend werden. Der zweite Abschnitt von Manarola nach Corniglia steht dem ersten in Höhenmetern in nichts nach – gefällt Katha aber mit am besten. Die Landschaft und die Aussicht sind atemberaubend. Postkarten-Idylle durch und durch. 

Vernazza – die Perle der Cinque Terre

Als wir schließlich nach knapp fünf Stunden In Vernazza ankommen: sind wir uns einig: Wer nur Zeit für einen Teil der Cinque Terre hat, der sollte auf jeden Fall hier vorbei. Das ehemalige kleine Fischerdörfchen mit ca. 900 Einwohnern ist definitiv unser Highlight der Cinque Terre. Hier stimmt einfach alles. Süße verwinkelte Gässchen, kleine bunte Fischerboote an einem wunderschönen kleinen Hafen mit kleinem Badestrand. Vielleicht ist es auch genau dieses Hochgefühl, was uns nochmals alle Kräfte mobilisieren lässt. So beschließen wir trotz Pochen in Knien und Waden auch die letzte Etappe bis nach Monterosso zu laufen – irgendwie wollen wir doch den Stolz spüren, die gesamte Strecke gelaufen zu sein. 

Wir haben es geschafft!

Für die ca. 15km brauchen wir am Ende sage und schreibe gut 7 Stunden obwohl wir nur wenige Pausen gemacht haben. Die letzten  Meter sind bekanntlich die schwersten – aber: Wir haben es geschafft. Wir sind den kompletten Cinque Terre Trail gegangen. Und auch wenn Christoph jetzt dringend ein Snickers bräuchte – Unterzuckerung lässt grüßen – sind wir stolz und glücklich. Vielleicht war es nicht die klügste Idee als erste Wanderung des Urlaubs ausgerechnet diese zu wählen – ohne Sperrung der beiden Küstenabschnitte würden wir aber sagen, dass der Trail auch von Ungeübten gut erwandert werden kann. Wir sind gespannt was Füße, Beine und Rücken am nächsten Morgen sagen werden. 

Die Suche nach der perfekten Pizza

Leider scheint die Pizzeria La Smorfia in Monterossodie uns Christophs Cousin empfohlen hat, nicht zu öffnen. Entgegen den Angaben bei Google stehen wir auch eine halbe Stunde nach angegebener Öffnung noch vor verschlossenen Türen. Auch daran muss man sich in Italien als akkurater Deutscher wohl gewöhnen. Die Uhren ticken hier einfach anders. Am Ende finden wir zurück in Levanto mit der Pizzaria La Mela aber eine sehr gute Alternative und belohnen uns mit unserer ersten italienischen Pizza und ein paar Gläsern Wein. Was für ein schöner Tag. Prost!!! 

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Ist der Trail kostenlos?

„Den“ Trail gibt es eigentlich nicht. Die populärsten kosten etwas, es gibt aber auch Trails im Nationalpark die kostenfrei sind. Ansonsten kostet der Eintritt 7,50 EUR für einen Tag. Es gibt auch 2- und 3-Tagetickets sowie Kombitickets mit dem Zug, die sich lohnen, wenn man zwei Wege mit dem Zug zurücklegt. Es gibt Checkpoints, an denen man das Ticket vorzeigen muss.

Welches ist der schönste Ort der Cinque Terre?

Nimm dir nach Möglichkeit auf jeden Fall die Zeit und schau dir mindestens zwei der Dörfer an. Wir fanden Verazza am schönsten, aber hier sind Geschmäcker ja Gott sei Dank verschieden.

Wie zum Startpunkt und wie läuft das mit Hund?

Die Startpunkte des Cinque Terre Trails erreicht man am bequemsten mit dem Zug oder dem Boot. Der Zug kostet 5,- EUR pro Erwachsenen und das unabhängig davon, wie weit man fährt. Ein Hundeticket kostet 2,10 EUR. Offiziell müssen Hunde einen Maulkorb tragen – das kontrolliert aber laut unseres Wissens niemand, solange sich der Hund benimmt. Viel Aussicht hat man aus dem Zug nicht – es geht hauptsächlich durch Tunnel. Das ist mit dem Boot sicherlich imposanter und mit 13,- EUR von Riomaggiore nach Monterosso ebenfalls relativ preiswert.

In welcher Richtung läuft man den Trail am besten?

In welcher Richtung läuft man den Cinque Terre Trail am besten? Das haben wir uns auch gefragt und uns primär aufgrund des Sonnenstands für die Route von Riomaggiore nach Vernazza entschieden. So haben wir die Sonne meist hinter uns, was bei dem wenigen Schatten auf dem Weg hilft. Im Prinzip ist es aber egal – bzgl. der Schwierigkeit nimmt es sich nichts und die Fotos der Dörfer macht man so oder so immer von Nordwesten stehend nach Südosten. Gleich in welcher Richtung man läuft. 

Wie anstrengend ist der Weg? Worauf sollte ich noch achten?

Der gesamte Weg von Riomaggiore nach Monterosso oder anders rum ist mit normaler Fitness gut machbar, sofern die Küstenabschnitte nicht gesperrt sind. Das sicherheitshalber immer im Vorfeld checken. Muss man die zwei Umwege nehmen wie wir es mussten, ist der Weg durchaus fordernd. Auf jeden Fall auf gutes Schuhwerk achten und genug zu Trinken mitnehmen. Der größte Teil des Weges hat wenig Schatten.

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4 Antworten
  1. Elke

    In Italien muss man essen wenn es was gibt, nicht wenn man Hunger hat😅😅😅

    Wir sind gespannt wann wir wieder Pizza bekommen…
    Mittags gibts oft keine und Abends stehen wir irgendwo im nirgendwo🤣🤣

    1. Ein schöner Satz. Wenn ich auf die Waage schaue, scheinen wir das auch beherzigt zu haben 🙂 Falls ihr nach Siena fahrt, sagt bescheid – da haben wir einen super Pizzatipp. Gute Reise euch noch.

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