Der schönste Weg in die Sonne führt durch den Schnee

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Dieser Beitrag ist Teil unseres Reiseberichts 12 Tage Ligurien & Toskana

Auf die Plätze fertig voll…

Endlich ist es soweit! Wir sind ganz aufgeregt, denn wir starten unseren ersten längeren Trip mit Knubbi. Baci ist auch dabei und der Bulli picke-packe-voll. So ist das wenn man den Einkauf der Frau überlässt. Es gibt ja in anderen Ländern schließlich keine Supermärkte.
Italien heißt das Ziel. Wirklich Konkreteres wissen wir aber noch nicht. Einfach alles auf uns zukommen lassen. Genauso sollte es doch sein, wenn man einen eigenen Van besitzt? Nur eines steht außer Frage: wir wollen in die Sonne. Der Tipp von Kathas Bruder, die Cinque Terre zu besuchen, gibt zumindest grob den Weg vor. Ohne Maut und Vignette führt uns so der Weg durch die Schweiz nach Bella Italia 🤩

 

Winter is still coming

Nach einer leicht durchzechten Nacht geht es zwar erst gegen Mittag, aber hochmotiviert los. Dementsprechend spät ist es, als wir endlich die Schweiz erreichen. Da wir erst nach Sonnenuntergang die Grenze zur Schweiz passieren, lässt sich die Landschaft um uns herum zunächst nur erahnen. Außerdem sinkt die Temperatur quasi mit jedem Kilometer und das ambitionierte Ziel Italien vielleicht sogar noch am gleichen Tag zu erreichen, rückt mit jeder Schneeflocke in weite Ferne. Katha gibt Gas und versucht ihren Ehrgeiz hochzuhalten. Gegen 23 Uhr gibt sie aber auf und Christoph darf endlich einen Stellplatz via park4night suchen. Wer die recht unverschämten 40 EUR für die Vignette durch Autobahnvermeidung umgehen möchte, muss halt „geringfügig“ mehr Zeit einplanen. Und dass die Schweiz beim Roaming ihr eigenes Süppchen kocht, haben wir wohl irgendwie auch verdrängt. Daher gar nicht so einfach, ohne Internet im Dunkeln den Übernachtungsspot zu finden. Irgendwie klappt es aber dann doch und wir parken bei mittlerweile -0.5 Grad auf einem großen Parkplatz direkt an einem Fluss in der Nähe von Serneus. Hatten wir erwähnt, dass der Knubbi über keine Standheizung verfügt?! Drei verlassene Wohnwagen bieten uns ein wenig Schutz vor dem immer stärker werdenden Schnee. Schnell bauen wir das Bett auf. Und natürlich wird dann auch standesgemäß das erste Bierchen des Urlaubs aufgemacht. Aus der Büchse versteht sich. Hach, was ist das Camperleben doch herrlich. Warm eingepackt und aneinander gekuschelt fallen uns dann auch schnell die Augen zu…

 

Baci der Schneehase

Da der Parkplatz nur in der Zeit von 18 bis 8 Uhr kostenfrei ist, hat Christoph den Wecker gestellt. So oder so sind wir aber doch schon eher wach. In unserem Alter muss sich der Rücken erstmal an die andere Matratze gewöhnen und auch die Blase drückt. Ein Blick nach draußen zeigt, es hat in der Nacht weiter geschneit. Alles ist weiß, der Himmel grau. Aber hier und da kämpft sich der blaue Himmel durch die Wolkendecke. Frühstücken können wir dann bei Sonnenschein und Baci knüpft erste Kontakte mit einem hübschen schwarzen Jungspund auf seiner Morgenrunde.

 

Benvenuti Italia

Schließlich geht’s weiter. Wir wollen die Grenze bei Tirano überqueren. Der direkte Weg – so denken wir – führt über St. Moritz und somit entscheiden wir uns hinter Davos den Flüelapass zu nehmen. Wer kann denn auch erahnen, dass das kleine Schild „Pass geschlossen“ wirklich so gemeint ist. Nach ca. 25 min stehen wir bei unfassbaren -4,5 Grad vor einer Schranke und beobachten Skimenschen, wie sie fröhlich dem völlig zugeschneiten Pass folgen, der nicht mehr als Straße zu erkennen ist. Also drehen und zurück nach Davos. In Alvaenu machen wir eine kurze Pause. Katha dreht eine Runde mit Baci, der im Schnee ganz in seinem Element ist. Vor allem die frisch gedüngten Felder – ganz zum Leidwesen von Katha – haben eine ganz besondere Anziehungskraft. Die Hundebox im Knubbi freut sich sicher auch über die spätere Kötzelei 😂

Kurze Zeit später packt Christoph zum ersten Mal die Drohe aus… Die Landschaft ist der Wahnsinn. Serpentinenstraßen, Bergkulisse und Schnee soweit das Auge reicht. Katha hat den Spaß ihres Lebens und steuert Knubbi mutig um die Kurven. Christoph ist sich zwar nicht immer zu 100% sicher, ob das weibliche Augenmaß hier wirklich zu den engen Straßen passt, ist aber ein vorbildlicher Beifahrer und bleibt stumm.

 

La Deutsche Vita

Nach und nach wird die Schneelandschaft grüner und 26 Stunden nach der Abfahrt sind wir tatsächlich in Italien. Die Sonne scheint und die Temperaturanzeige steigt und steigt. Die erstbeste Tankstelle wird angesteuert und wir tanken für angenehme 1,89€. Die Schweiz hat uns immerhin noch 2,28€ abgeknöpft. Später entdecken wir sogar eine für 1,69€. Kurz überlegen wir, ob wir die Wasserkanister stattdessen mit Diesel füllen.

Bei durchschnittlichen 15 Grad schlengeln wir uns den Weg durch Dörfer mit unfassbar engen Sträßchen. Die hübschen Häuser, ersten Zypressen und das bereits gefühlte Dolce Vita entschädigen für die Elli Pirellis unter den Italiener, die es laut Katha eindeutig auf unser Leben abgesehen haben. Am späten Nachmittag machen wir Halt in Marone am Lago D’Iseo. Der See ist riesig und die kleine Insel Monte Isola erinnert uns an Alcatraz. Wir vertreten uns ein wenig die Beine und trinken einen Kaffee bzw. Kakao in der Sonne in einem kleinen Café am Ufer. Katha hat allerdings vergessen, dass die italienische cioccolate eher die Konsistenz und Süße von Schokopudding hat, löffelt sich aber tapfer bis zum Boden ihrer Tasse.

Knubbi am Po, Boretto

Obwohl wir beide einen gemütlichen Abend in der Sonne und Kochen im Hellen bevorzugen, entscheiden wir uns, noch zwei Stunden Richtung Cinque Terre zu fahren. Christoph hat einen gut bewerteten kostenlosen Stellplatz ausgemacht. Nach schier endlosen Kilometern durchs italienische Hinterland kommen wir pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem Parkplatz direkt am Fluss Po an. Knubbi wird ausgerichtet und wir lasse den Abend bei einem Gläschen Wein, Curry-Gericht und Kerzenschein ausklingen.

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